"Der Sport ist in Gefahr!"

Matchfixing 1"Der Sport ist in Gefahr!" Unter diesem Aspekt mit einer warnenden Botschaft stand am Freitag in Wien das von den Europäischen Lotterien gemeinsam mit der AIPS und Sports Media Austria veranstaltete Tages-Seminar "Sportwetten, Matchfixing und organisierte Kriminalität" im Studio 44 der Casinos Austria und Österreichischen Lotterien. International renommierte Vortragende referierten über die aktuelle Situation. Unter den Gästen befand sich auch Gianni Merlo, der Präsident des Weltsportjournalistenverbandes AIPS. Gastgeber Friedrich Stickler, der Präsident der Europäischen Lotterien, und SMA-Präsident Michael Kuhn begrüßten die Teilnehmer, unter ihnen auch etliche eingeladene Medien-Vertreter.

 

Matchfixing 2Friedrich Stickler, soeben wiedergewählter Präsident der Europäischen Lotterien und Vorstandsdirektor der Österreichischen Lotterien ließ in seinem Eröffnungsstatement aufhorchen: „Die 680 Fälle, die vor kurzem von Europol veröffentlicht wurden, sind nur die Spitze des Eisbergs. Der gesamte Sport ist betroffen und die Schätzungen des illegalen Sportwettenmarktes lassen wesentlich mehr Betrugsfälle vermuten“.

Illegale Sportwetten machen weltweit zwischen 400 und 500 Milliarden Euro Umsatz aus und Schätzungen gehen davon aus, dass 80 Prozent des Sportwettenmarkts illegal ist. „Durch Befragungen verhafteter Wettbetrüger wissen wir, dass bis zu 20 Millionen Euro pro Match gewettet werden und Bestechungsgelder für Spieler bis zu 600.000 Euro pro Match betragen“, präsentierte Stickler neueste Zahlen.

Die Europäischen Lotterien haben dem Kampf gegen illegale Anbieter daher erste Priorität eingeräumt.

Der französische Experte Christian Kalb konnte ebenfalls Zahlen aus neuen Studien präsentieren. Weltweit existieren mittlerweile zwischen 5.000 und 10.000 Sportwettenanbieter. Gemessen am Bruttospielertrag (Gesamt-Wettumsätze minus Gewinn-Ausschüttungen) liegt derzeit der türkische Anbieter Inteltek mit rund einer Milliarde Euro vor Anbietern aus Südkorea und Hongkong. Die Gewinnausschüttungen liegen bei zahlreichen Sportwetten-Unternehmen bei mehr als 99 Prozent, wodurch sie zwar hohe Umsätze, aber geringe Bruttospielerträge erzielen, die als Steuerbasis dienen.

Mag. Philip Newald ("tipp3") führte die Journalisten in den österreichischen Sportwettenmarkt ein und betonte, dass alle Sportwetten-Anbieter in Österreich legal anbieten, die eine entsprechende Lizenz in einem der Bundesländer besitzen. Sportwetten werden in Österreich nicht als Glücksspiel im österreichischen Glücksspielgesetz geregelt, sondern liegen in der Regelungskompetenz der Länder. tipp3 setzt sich immer schon massiv gegen Wettbetrug ein und arbeitet durch ein eigenes Monitoring eng mit dem ÖFB sowie der Bundesliga zusammen.

Einen guten Einblick in bestehende Maßnahmen im Kampf gegen Wettbetrug gab Mag. Helmut Löschenberger, der das Monitoringsystem der Europäischen Lotterien (ELMS) sowie das Early Warning System des Buchmacherverbands erklärte. Im ELMS sind insgesamt 19 Mitglieder aus 18 Ländern vereint, die Wettmuster und Quotenbewegungen beobachten und im Fall von beobachteten, unregelmäßigen Wettmustern, eine Warnung über die ELMS-Website oder per Telefon durchgeben. Diese Information steht somit jedem Mitglied unmittelbar zur Verfügung und kann mit den lokalen Behörden oder Verbänden abgestimmt werden. Das ELMS stellt somit einen wichtigen Meilenstein im Kampf gegen Wettbetrug dar.

Matchfixing 3Auch André Chaker, Berater des Präsidenten der finnischen Lotterie-Gesellschaft Veikkaus, präsentierte Lösungsansätze, dem Problem Matchfixing am besten zu begegnen. Der Kampf gegen Wettbetrug müsse auf vier Säulen basieren: Funding, Information, Regulierung und Monitoring.

Gerald Fretska, Vertreter des Criminal Intelligence Service Austria des Innenministeriums betonte insbesondere die Wichtigkeit der 2011 gegründeten Taskforce und die Bündelung aller österreichischen Maßnahmen in einer zentralen Einheit. Ebenso betonte er die Meldestelle für alle Vereine und Verbände, wenn sie mit Wettbetrug in Berührung kommen. Die e-Mail-Adresse lautet: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Den österreichischen Weg Spielmanipulation zu begegnen zeigte der Geschäftsführer des Vereins zur Wahrung der Integrität im Sport, Mag. Severin Moritzer auf: Möglichst viele Sportler, Funktionäre und Schiedsrichter müssen über die Probleme aufgeklärt und informiert werden, um das Problem im Keim zu ersticken: „Nein sagen, wenn man von potentiellen Matchfixern angesprochen wird und umgehende Meldung des Vorfalls, sind die wesentlichen und effektivsten Maßnahmen, die man setzen kann um den Wettbetrug erst gar nicht aufkommen zu lassen“.


Text:
Mag. Gernot Uhlir (Österreichische Lotterien)

Fotos: Günter Pfeistlinger

 

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